Oft stehe ich mitten im Großraum der Wahlkampfzentrale, schaue mich um und denke darüber nach, was diesen Wahlkampf für mich so besonders macht?
Sind es die täglichen Morgenmeetings? Wenn alle verschlafen am großen, zentralen Tisch auftauchen? Wenn wir neugierig in den Adobestream schauen, wer von den Bundesländern da ist? Wenn ich allen einen guten Morgen wünsche – die message of the day vorlese und danach mein erster Schluck Kaffee besser schmeckt, als der teuerste Wein, den ich je getrunken habe?
Die fast täglichen Pressekonferenzen – oft in der Zentrale – die mutigen und kraftvollen Worte der KandidatInnen und Kandidaten – die unermüdlich ihr Bestes geben und oft über ihre Grenzen hinaus gehen? Täglich. Den ganzen Tag.  Seit über hundert Tagen.
Wenn der Content an einem Briefing arbeitet. Konzentriert – mit Falten auf der Stirn. Das Leuchten in den Augen und das zufriedene Grinsen, wenn man genau das gefunden hat, wonach gesucht wurde, auch wenn die Angabe nicht mehr als ein „Kannst du dich erinnern, vor ein paar Jahren, hat doch der, du weißt schon wer…“ beinhaltet. Der heilige Akt, wenn die Unterlage dann in die Briefingmappe für Matthias abgelegt wird – das Johlen, wenn es das Zitat ins Fernsehen schafft und auf Twitter Flügel bekommt?
Ist es die Kommunikationsabteilung, die meist die ersten in der Früh sind, die die Kaffeemaschine vorheizen, wenn der Pressespiegel entsteht und die Nachts zusperren, weil es bis nach Mitternacht noch irgendwelche unglaublich wichtigen Puls-vier Analysen nach den Duellen gibt, wo mittlerweile bereits Haustiere über die Aussagen der p.t. Diskutanten befragt werden und sich irgendwo in den Tiefen des Internets noch eine Abstimmung findet, die via Mutfunk gepushed wird?
Oder die Mobilisierung, wenn sie ihre Aktivitätstabellen auswerten und gejubelt wird, wenn das Ergebnis der Vorwoche wieder weit übertroffen wurde. Wenn sie die Incentives liebevoll verpacken, persönliche Botschaften dazu in Schönschrift formulieren, wenn sie sich freuen, weil sie daran denken, wie sich die Empfänger freuen, wenn diskutiert wird, ob der coole Typ die pinke Uhr selbst tragen wird, oder sie doch seiner Freundin gibt?
Der Moment, wenn spät abends acht Leute hinter einem Videoschneider an der Marketinginsel Position eingenommen haben – obwohl eigentlich sechs davon seit einer Stunde gehen wollten? Weil schon wieder aus einer spontanen Idee, vor kaum 12 Stunden geboren – die richtige Mischung aus Herzklopfen, Lächeln und Inhalt, perfekt in 35 sekunden in Szene gesetzt, entstanden ist? Daneben die großen Tramper Rucksäcke mit den Thermoskannen liegen, die Auskunft darüber geben, dass die Mannschaft von einem Tourstopp zum anderen reist ?
Immer dabei die Stäbe von Mat und IG, die immer genau darauf schauen, dass alle wissen, wo und vor allem pünktlich auf die Minute am nächsten Tag alle ihren Platz finden. Nichts wird vergessen. An alles wird gedacht. Die Tagespläne leiten wie ein Kompass sicher auch durch die stürmischsten Phasen.
Operations? Die bunteste Mischung, die dieser Wahlkampf je hervorgebracht hat? Diese Harmonie zwischen High Heels Fund Raising Dinnern und Arbeitsschuhen, wenn wieder acht Paletten Flyer geliefert werden? Kunstwerke von Datenbanken und Exelsheets – die plötzlich die Antwort auf Fragen geben, die wir uns nie getraut hätten zu stellen? Mittendrin Reno und Moritz – die irgendwie überall gleichzeitig sind? Werde ich irgendwann draufkommen, dass einfach jeder noch zwei Drillingsbrüder hat und sie mich seit Jahren damit am Schmäh halten?
Sind es die Wiener, die mit ihren rosa Jacken und grinsenden Gesichtern gerade von ihren vielen Straßenaktionen zurück gekommen, sich nicht mal gscheit hinsetzen und bereits die nächsten vorbereiten, mit wachen, nimmermüden Augen die Einsatzpläne befüllen und auf Youtube Anleitungen für Zuckerwattemaschinen studieren?
Nein – das alleine würde nicht reichen. Es wäre nicht genug. Was es ist, sind Sonntage wie heute, an denen Gruppen seit dem Vormittag Briefe falten und Kuverts beschriften, Mails von Bundesländern mit Plänen für die letzten Tage, Leute, die spontan anrufen und ihre Hilfe anbieten, der Blick in die internen Facebookforen, gefüllt mit hunderten Fotos von Aktivitäten, emotionale Geschichten, lachende Gesichter, stolzen Berichte, Trost für geschundene Knöchel und Beiträge, wie das eingangs erwähnte Zitat, Das sind die Komponenten, die diesen Wahlkampf für mich so besonders machen und mir kurz nach Mitternacht die unerschütterliche Gewissheit geben, dass wir jetzt in der letzten Woche auf einem gut bestellten Feld kraftvoll die Ernte einholen.
06 days 17 hours left – holen wir uns die Sitze im Parlament für die beste Politik, die man derzeit auf diesem Planeten kriegen kann. <3 — voll motiviert.